KREUZBANDRISS

 

Tag 1:

08. Februar 2016 (Semesterferien)

Ein Tag wie jeder andere. Flecki wollte raus, also hab ich sie nach draußen gelassen. Als sie wieder rein kam dann der Schock: Meine Maus humpelte. Sie nutzte ihr linkes Hinterbein fast gar nicht mehr.

Wenn's nach mir gegangen wäre, hätte ich sie sofort zusammengepackt und wäre zum Tierarzt gefahren.

Aber wir wohnen am Land, da kann es schon mal passieren, dass eine Katze nach Hause humpelt (Streitereien ums Revier mit anderen Katzen, bösartige Hunde oder Autos). Also hat sich meine Mum quergestellt und gesagt, wir sollten ein paar Tage abwarten, vielleicht wird's ja besser...

 

Tag 2:

Ich hab dann angefangen selbst Vermutungen anzustellen. Vermutungen von der harmlosen Art. (Es DRUFTE einfach nicht schlimmer als harmlos sein.!!) Und hab auf einen umgeknickten Knöchel getippt, da ihre Pfote leicht geschwollen war. Also fing ich an ihren Knöchel zu kühlen. Sie hat mich dafür gehasst. Meine Katze steht auf heiße Heizungen und nicht auf kalte Füße. Aber was sollte ich sonst tun?

 

Tag 3 bis 5:

Ich fing an meine Mum zu nerven, da das humpeln meiner Prinzessin nicht besser wurde. Flecki verdient eine Behandlung! Irgendwann willigte sie ein. Leider war Wochenende und so mussten wir warten bis es Montag wurde.

 

Montag!!!

Endlich war es soweit. Zu Mittag polsterte ich die Transporttasche meiner Maus so gut es ging aus, damit sie keine unnötigen Schmerzen in Kurven usw. erlitt und schnallte sie auf den Rücksitz unseres Autos fest. Ich setzte mich neben sie. Und ab ging's zum Tierarzt.

Dieser überbrachte uns dann nach einer kurzen Überprüfung mittels Schubladentest die Hiobsbotschaft: Kreuzbandriss, wahrscheinlich bei einer Rauferei entstanden.

Er bot uns zwei Möglichkeiten:

OP oder Schmerztherapie Da es eine 50 %-ige Wahrscheinlichkeit zur Selbstheilung gibt, haben wir uns dann erstmal für die Schmerztherapie entschieden. Der Tierarzt gab uns Schmerzmittel, die wir ihr jeden Morgen geben sollten und sie bekam ein Springverbot.

 

Zu Hause merkten wir dann ziemlich schnell, dass es gar nicht so einfach war einer Katze ein Springverbot zu geben. Es liegt einfach in ihrer Natur. Meistens schafften wir es sie hinauf und hinunter zu heben, aber halt nicht immer. Trotzdem weigerte sich meine Mum strikt, ein Gehege für sie zu bauen, wie es auf den vielen Internetseiten nach der OP gemacht wurde.

 

1 Woche bis zum nächsten Tierarztbesuch....

Tagesablauf:

 

Ich muss dazu sagen, für meine Prinzessin war es ein großer Vorteil, dass an unserer Uni einen Monat Semesterferien sind, denn so konnte ich mich um sie kümmern.

Der Tierarzt gab mir zwei einfache Regeln: Keine Sprünge und kein Rausgehen.

Doch bei ihr kristallisierte sich bald ein Problem: Wenn sie nicht raus durfte sprang sie, weil sie wusste, dass es mich ärgerte (oder besser gesagt: zur Verzweiflung brachte.!)

Doch dann begann es zu schneien und wir zwei fanden endlich eine Art Kompromiss. Dank des Schnee's war nämlich nur ein kleiner Weg in unserem Garten frei und so ging ich alle paar Stunden mit ihr raus, diesen Weg entlang. Dafür hörte sie auf mich zu ärgern und ihre Sprünge reduzierten sich auf ein Minimum. Meistens lies sie sich von mir auf ihre Plätze heben.

 

Alles lief mehr oder weniger gut. Doch eines könnt ihr mir glauben. Einer Katze zu erklären, dass die Schmerzen nicht wirklich aufgehört haben, sondern das sie nur wegen der Schmerzmittel weniger geworden sind, das könnt ihr vergessen. Sie wird euch nicht glauben und Springen. Das Wort werdet ihr noch HASSEN lernen glaubt mir.

Hinzu kam noch, dass Flecki zum Glück zu den 50% der Katzen gehörte, bei denen das Kreuzband wieder von allein zusammenwuchs. Das ist natürlich eine sehr gute Nachricht. Kurzzeitig zumindest. Denn ratet mal, was eine Katze macht, wenn sie wieder mehr Kraft in den Beinen hat: Auf die Plätze springen, wo sie davor nicht mehr hinkam. Fensterbretter, Heizungen...

Und außerdem kam noch hinzu das unser Schneeweg immer mehr dahin schmolz, was bedeutete, dass sie wieder an Stellen kam, wo sie eigentlich nicht hin sollte: zur Stiege in unserem Garten zum Beispiel.

Die nächste Herausforderung war also, meine Mum davon zu überzeugen, dass meine Katze eine Anti Sprung  Zone brauchte. Dabei bekam ich unerwartete Unterstützung von unserem Tierarzt, da die Woche vorüber war und der nächste Termin bei ihm anstand.

 

Tierarzt:

Auch er stellte fest, das Flecki's Bein schön langsam wieder verheilte. Doch nur die kleinste falsche Bewegung (also Springen, Stiegen steigen usw.) könnte das Kreuzband, das gerade am wachsen war, wieder vernichten.

Auch er war nicht einverstanden mit der 'Einfach rumlaufen' - Methode.

 

Deshalb war das erste, was ich und meine Mum machten, als wir nach Hause kamen, sämtliche ihrer Plätze in meinem Zimmer nach unten zu verlegen.

Ich schlafe jetzt zwar am Boden, habe keinen Schreibtisch mehr und ein Katzenklo in meinem Zimmer (ich 'freu' mich schon so auf ihren ersten Toilettengang :( ) aber mein Zimmer ist frei von all den Sache, auf die sie gerne und oft springt.

Ich hoffe so das die 'Zimmer'-Methode funktioniert.!

Der Tag darauf:

Flecki und ich haben heute die erste Nacht und den ersten Tag in unserem 'tiefergelegten' Zimmer verbracht. Für mich ist es ein wenig umständlich, da ich alles am Boden machen muss, aber das ist noch nichts gegen den Hass (anders kann ich es nicht nennen), den sie gegen dieses Zimmer entwickelt hat.

Ich versuche ständig bei ihr zu sein, und sie versucht bei jeder sich erbietenden Möglichkeit (wenn ich zur Tür raus muss oder jemand anderes rein kommt) abzuhauen. Und wenn man sie wieder in das Zimmer bringt, knurrt sie.

(Dabei muss ich aber dazu sagen, dass sie, seit ich sie kenne, schon immer eine Katze gewesen ist, die sehr schnell beginnt zu knurren. Ganz im Gegensatz zu unserem Kater.)

Deswegen versuchen ich und meine Mum sie so oft es geht rauszuholen. Wenn wir essen oder kochen zum Beispiel, denn da schmiert sie nur um unsere Füße oder wenn wir draußen auf der Couch im Wohnzimmer unsere Serie schauen, denn da schläft sie immer ganz brav neben uns. Man muss sie halt auf die Couch heben, doch das klappt ja mittlerweile ganz gut.

 

Sie weigert sich standhaft etwas in meinem Zimmer zu essen oder das Katzenklo zu verwenden. Keine Ahnung wieso. Aber sobald die Tür geöffnet wird, geht sie zuallererst aufs WC außerhalb meines Zimmers. Stur war sie halt schon immer.

Ich hoffe inständig das sie sich trotzdem für die paar Wochen mit ihrer derzeitigen Wohnsituation anfreundet, weil bald wieder die Uni beginnt und ich von da an nicht mehr ständig bei ihr sein kann und auch meine Mum muss zur Arbeit.

Dann wird ihr leider nichts anderes mehr übrig bleiben als sich an ihr vorübergehendes Zuhause zu gewöhnen...

Um es ihr etwas zu erleichtern, lassen wir auch ganz oft Simba, unseren Kater, zu ihr. Allerdings muss da immer jemand dabei sein, weil die zwei sich gerne gegenseitig anspringen. Das lässt sich jedoch leicht verhindern, man sieht ja, wenn sie sich ducken und auf den jeweils anderen zu schleichen.

Außerdem steht Simba ziemlich auf den kurzen Weg von seinem Schlafplatz zu der Futterschüssel und ich denke, zu sehen, dass ihm das gefällt, zeigt auch Flecki schön langsam die Vorteile an ihrem Raum.

Ein paar Tage später:

Leute, ich wohne ja jetzt schon eine Zeit lang in unsrem Anti-Spring Zimmer und hier ein paar Tipps:

 

- auch wenn eure Katze vorher nie auf den Kratzbaum gesprungen ist; sobald sie nichts anderes mehr hat, tut sie es trotzdem. Räumt ihn gleich raus. Und passt vor allem bei Stühlen auf, wenn ihr eure Katze zwischendurch rauslässt.

 

- stellt sämtliche Regale, auf die sie noch hinauf könnte, mit so viel Sachen zu die ihr habt, wenn sie nur ein klitzekleines Loch findet, springt sie nämlich drauf!

- kauft eine Höhle. Ihr habt ihr ja jetzt ziemlich viele Plätze weggenommen, dadurch das ihr sie weggesperrt habt und dazu verdonnert auf den Boden zu leben. Die müsst ihr auf jeden Fall ersetzen. Am besten etwas, wo sie sich richtig verkriechen kann.

- und seid auf jeden Fall für eure Prinzessin oder euren Prinzen da. Er/Sie hat gerade niemanden außer euch und braucht unbedingt Gesellschaft.!

 

Sonntag, 06.03.16:

Gute Nachrichten! Wir haben mit der Frau und gleichzeitig Assistentin des Tierarztes telefoniert, wie es vereinbart war und ihr erzählt, dass Flecki auch ohne Schmerzmittel, ohne Probleme gehen kann. Sie meinte, das sind tolle Fortschritte und das Flecki bald wieder in ihr normales Leben zurückkehren kann. Ich freu mich so. :D wenn jetzt nur nichts schief geht (*Gebet nach oben*)

 

Flecki hat sich mittlerweile übrigens super an ihre Situation gewöhnt. Sie benutzt das Katzenklo in meinem Zimmer (ist gar nicht so schlimm wie ich dachte, man muss es halt täglich ausputzen mit einer Siebähnlichen Schaufel. Kennt ihr bestimmt.) und mittlerweile frisst sie auch in meinem Zimmer.

Sie ist echt die bravste Katze der Welt, wenn's um umgewöhnen geht. :)